Geschichten aus unserem Service-Alltag

Gespräche mit dem Garten

19 04 09 Ruhe

 

Wie häufig, wenn mir Dinge zu schaffen machen, bin ich im Garten und spreche mit den Pflanzen.

„Schön habt ihr es hier, so ruhig und beschaulich. Während in der Welt eine Corona-Pandemie grassiert  und wir alle zuhause bleiben sollen.“ Ich seufze und möchte eigentlich weitersprechen, aber der Fünffingerstrauch unterbricht mich. Das hat er bisher noch nie gemacht, ich bin überrascht. „Na und, du bist doch eh immer da. Die Nachbarn fahren jeden Tag irgendwo zur ‚Arbeit‘, du bist du den ganzen Tag da und telefonierst immer nur. Manchmal hier im Garten und das kann ganz schön störend sein, wenn man in Ruhe Chlorophyll produzieren und an seinem persönlichen Wachstum arbeiten will.“

„Genau das ist das Problem“ sage ich zum Fünffingerstrauch und denke, irgendwann musste es passieren, dass mir die Pflanzen antworten. „Zuerst mal: mein Telefonieren sichert euch den Dünger und das Wasser, das ihr bekommt. Und dann: Die Menschheit hat auch sowas wie Wachstum. Jeder Mensch für sich, für seine Arbeit und für Deutschland. Naja, und global gesehen auch für die Welt. Und da tut sich eben zurzeit nix. “

„Versteh ich nicht“ mischt sich ein samtiges Stimmchen ins Gespräch. Wirklich, das Pfirsichbäumchen spricht auch? „Schau mal“ sage ich zum Pfirsichbäumchen und zupfe ihm liebevoll einige verblühte Blüten ab. „Als ich euch als Pflanzen adoptiert habe, war das Ziel, euch eine Heimat zu geben. Es soll euch gut gehen und ich habe versprochen, von meiner Seite aus alles zu tun, was euch dabei hilft.“

„Natürlich ganz uneigennützig.“ Ok, der Buchsbaum also auch, aber jetzt wundere ich mich auch schon nicht mehr. Nur darüber, dass ein Buchsbaum sarkastisch sein kann.  „Ja nun“ sage ich zu ihm. „Es macht mir Spaß, mich um euch zu kümmern, das entspannt mich. Und im Sommer, wenn ihr alle voller Schaffensdrang seid, seid ihr als Gemeinschaft ein echter Hingucker. Glücklicherweise redet ihr ja sonst auch nicht so viel.“

„Pfh, was soll das denn jetzt heißen?! Du kommst doch hier raus und beschwafelst uns“ kommt es etwas zickig schräg hinter mir. Ich stelle fest, dass die Ausdrucksweise der Rose nicht zu ihrem hübschen und edlen Aussehen passt. Aber einfach war sie ja noch nie. „So war das nicht gemeint, Rose. Ich bin nur zurzeit nicht so gut drauf und mache mir Sorgen. Um meine Firma, meine Gesundheit, aber natürlich auch die von Freunden und Familie.“

„Wenn du schon hier rumstehst, kannst du bitte mal nach dem Löwenzahn schauen, der hier mitten in mir wächst? Seine Wurzel bohrt sich wie ein Pfahl mitten in meinen Wurzelstock“. Tatsächlich, mitten im Berglauch Three of Six hat sich ein Löwenzahn breit gemacht. Ich bitte um Entschuldigung, als ich ihn aus dem Boden ziehe. Three of Six bedankt sich höflich und fragt, wie man sich das mit dem Corona so vorzustellen habe und warum mir das Sorge macht. Es scheint, als würden sich die Büsche und alles andere raschelnd in meine Richtung beugen, aber vielleicht ist es auch nur ein Windhauch gewesen.

„Also, genauso wie ich will, dass es euch gut geht in meinem Garten und ihr euren Teil dazu beitragt, dass es mir gut geht, ist es jetzt hier in Deutschland. Die meisten Menschen arbeiten, um Geld zu verdienen, manche, weil es Ihnen Spaß macht oder sie sich weiterentwickeln können. einige Glückliche verbinden beides. Da die meisten mitmachen, gibt es eigentlich immer ein Wirtschaftswachstum und dann geht’s allen besser. Das ist jetzt in Gefahr, weil sich Corona überall ausbreitet, die Menschen deshalb den Kontakt zu anderen minimieren sollen mit der Folge, dass viele nicht mehr arbeiten können.“

„Du meinst, keine Arbeit, kein Geld, kein Wachstum?“ Der Buchsbaum scheint ein kleiner Denker und Schnellmerker zu sein. 

„Ich versteh das Problem nicht“ ruft die Pfefferminze aus dem Beet um die Ecke. „Dann wachst ihr halt mal nicht. Ich nenne keinen Namen, aber nicht jeder hier ist so fleißig wie ich und es geht trotzdem.“ Die Kiwi-Pflanzen neben der Minze zucken zusammen. Ihre langen Triebe hängen gerade doch etwas traurig im Spalier. Seit vier Jahren stehen sie an ihrem Platz und trotzdem habe ich im letzten Jahr nicht mehr als drei kleine Früchte geerntet. „Na ja“ entgegnet der Buchs der Minze, „wenn es einem nicht gut geht, leiden auch andere. Erinnerst du dich an das Kettensägen-Massaker im Nachbarsgarten, dem die großen Tannen zum Opfer fielen? Der Farn drunter ist im selben Sommer in die ewigen Wurzelgründe eingegangen, weil er plötzlich die pralle Sonne abgekriegt hat.“

Die Stimmung kippt. Es war damals ein trauriger Sommer. Das Stück Garten, auf dem die Tannen gestanden hatten, war im Herbst ein gepflasterter Parkplatz und die Traubenhyazinten und der Fingerhut waren von einem Tag auf den anderen weg. „Das war schlimm.“ Der Sommerflieder steht direkt neben dem Parkplatz und hatte alles mitbekommen. „Trotzdem versteh ich das mit der Krankheit nicht. Warum könnt ihr deshalb nicht arbeiten? Das ist doch wichtig, damit ihr eure Brötchen verdienen könnt.“

„Das ist offenbar ein unglaublich leicht zu verbreitender Virus“ sage ich zu ihm. „Zu Beginn hat die Menschheit das total unterschätzt und weiter gemacht wie bisher. Man sieht es nicht, ob man den Virus hat, manche werden auch nicht so krank wie andere und merken gar nicht, dass sie was haben. Die geben das dann an andere weiter.“ „Du meinst, wie damals, als du die Brennesseln mitgebracht hattest, um uns zu düngen und die diese doofen Blattläuse hatten? Wochenlang dieses Gekrabbel auf mir.“ Der Sommerflieder hätte sich geschüttelt, wenn er was zum Schütteln gehabt hätte, aber ich habe ihn ratzeputz zusammengeschnitten. „Ja, genau. Bis ich entdeckt hatte, dass du die hast, warst du über und über befallen. Weil du auch keinen Ton gesagt hast.“ Das klang vorwurfsvoller als es gemeint war. „Es war mir peinlich“ kommt es kleinlaut vom Sommerflieder. „Ich hatte sowas noch nie und auf einmal krabbelt und juckt es überall. Was würdest du denn machen, wenn dir an den Stellen, die sonst nie einer zu sehen kriegt….“ „Ist gut, so genau will das keiner wissen!“ falle ich ihm ins Wort. „Aber prinzipiell ist das schon so. Nur dass man die Blattläuse sehen kann. Nicht die erste oder zweite oder zehnte, sondern erst, wenn sie sich schon so vermehrt haben, dass sie euch stören.

Der Scheinsonnenhut neben ihm schüttelt die schon vollen, aber noch sehr niedrigen Blätter. „Mich hat’s damals auch erwischt“ sagt er angeekelt. „Mich als nächstes“ lispelt der Aroniabeerenstrauch. Eine kratzige Stimme sagt jämmerlich „und dann mich“. An der Stachelbeere hatte ich damals die ersten Blattläuse gefunden und dann erst das Ausmaß der Blattlausinvasion erkannt. 

„Das war nicht schön. Und genauso ist das heute mit dem Corona-Virus. Nur wir Menschen können uns halt aus dem Weg gehen, im Gegensatz zu euch.“ „Na und, aber man stirbt doch von sowas nicht.“ Die Pfefferminze tut so, als habe sie das ewige Leben. Was auch ein bisschen stimmt. „Ihr nicht, aber der Kohl, den ich damals angepflanzt hatte.“ „Oh, an den haben wir gar nicht mehr gedacht, der war ja auch nur ganz kurz da.“ Berglauch One of Six und Two of Six sind betroffen. Sie hängen sehr aneinander, trotzdem sind Ihnen die Kollegen im Beet nicht egal. „Den Kohl hat es damals erwischt, dem haben die Blattläuse so zugesetzt, dass er sich nicht mehr erholt hat, er verrotte in Frieden. Wir Menschen haben das gleiche Problem mit älteren Menschen. Den jungen, starken macht Corona nicht so viel aus, aber die älteren und geschwächten müssen halt aufpassen.“

Es riecht schon wieder so frisch, die Pfefferminze wird wohl gleich wieder was sagen. Ich mag sie, sie ist sehr wuchsfreudig und immer da, wenn man einen Mojito mixen will. Aber sie hat nicht die hellsten Blätter im Beet. „Aber nur weil der Kohl jetzt kaputt gegangen ist, bei dem es im Herbst sowieso ‚Kopf ab‘ geheißen hätte, sind wir doch nicht alle in Gefahr.“ Ich mache mir gar nicht Mühe, mir eine Antwort zu überlegen, denn der Buchs raschelt sich zurecht. Vielleicht liegt‘s auch an der Katze, die sich gerade an ihm schubbert.

„Du denkst nicht weiter, als ein Rhizom dick ist.“ Der Buchs ist stinkig und ich kann mir denken, was jetzt kommt. „Mich hat’s schon ein paar Mal beinahe dahin gerafft, weil sich eine Horde dieser wildgewordenen Zünsler auf mir niedergelassen hat, und die meisten hier im Garten hatten schon mal Blattläuse oder Pilze oder den Pflaumenwickler. Das ist auch alles nix neues. Das ist so wie die ‚normale‘ Grippe bei den Menschen. Aber stell dir vor, jetzt kommt auf einmal eine Superblattlaus, die nicht schwarz, sondern grün ist. Man sieht sie nicht, sie springt aus dem Stand zwei Meter weit und vermehrt sich wie blöd. Und dann nimm an, der übliche Spiritus-Seife-Mix wirkt nicht dagegen. So schnell kannst du gar nicht schauen, da befällt sie nicht nur uns hier, sondern auch den Nachbarn und dessen Nachbarn und …..“ Der Buchs hat sich in Rage und außer Puste geredet. „Und dann kommst du mit ‚so ein paar Blattläuse haben noch niemandem geschadet‘!“ Das letzte Wort ist mehr geschluchzt. Der arme Kerl hatte unter dem Zünslerbefall sehr gelitten.

„Ist ja gut“ höre ich die Minze liebevoll sagen. Ist da gerade ein Pfefferminzblatt aus dem Boden geschossen und schmiegt sich an den Buchs? Vorsichtshalber schaue ich mir den Buchs etwas genauer an, vielleicht aber auch nur, weil gerade alle ihren Gedanken nachhängen und ich auch nicht so richtig weiß, was ich sagen soll. Zuspruch habe ich im Garten gesucht und stattdessen sind jetzt alle sehr nachdenklich.

„Was macht ihr denn jetzt, wenn ihr nicht arbeiten könnt und kein Wasser reinkommt?“ Das Pfirsichbäumchen mit seinem zarten Stimmchen lässt sich hören. „Du meinst, wenn wir kein Geld mehr verdienen?“„Jaja, was auch immer für euch vermeintlich lebensnotwendig ist.“ Die Rose wieder. Echt, ich vergesse immer, wie stachelig sie sein kann, weil sie so hübsch ist und gut riecht. 

„Jetzt geht das noch. Aktuell haben noch nicht alle das Problem. Aber einige haben schon ihren Arbeitsplatz oder ihre Aufträge verloren, die brauchen jetzt Geld vom Staat. Und viele von denen fühlen sich jetzt auch entwurzelt, vielleicht könnt ihr das verstehen?“ „Du meinst wie damals, als du deiner Schwiegermutter einen Ableger von uns Herbstastern mitbringen wolltest? Du hast einen Teil von uns ausgegraben, weil wir so groß und schön geworden sind und dann seid ihr doch nicht hingefahren. Mein armes Baby hat tagelang rumgelegen, den Wurzelballen nur notdürftig mit einer Plastiktüte bedeckt und du musstest sie ständig gießen, weil sie sich nicht mehr selbst versorgen konnte.“ Die Herbstaster. Ein Spätblüher, aber wenn sie mal da ist, dann zeigt sie, dass sie es drauf hat. „Ja, genauso“ gebe ich ihr Recht. „Er hat sich übrigens gut eingelebt, dein Ableger. Aber eben auch nur, weil ich ihn rechtzeitig wieder in Lohn und Brot… also ich meine natürlich in die Erde gebracht habe. Aber was, wenn jetzt eine längere Durststrecke kommt? Manche Menschen halten das besser aus als andere, wenn sie mal eine Zeitlang nicht regelmäßig mit Geld versorgt werden, aber ….“

„Du meinst, so wie wir?“ knödelte es aus Richtung der Narzissen. Sommerflieder und Narzissen haben sich noch nie gesehen, obwohl sie so nahe beieinander stehen. Bis der Sommerflieder blüht, haben sich die Osterglocken schon längst wieder verzogen. „Ihr habt ja euer Depot immer dabei, ihr könnt trocken und kalt ziemlich lange ohne Wasser und sogar ohne Erde auskommen. Manchen Menschen geht es auch so. Die haben sich ein Polster geschaffen und sind anspruchslos und kommen gut über die Runden, wenn es mal nicht so gut läuft. Aber schau dir die Astilbe an. So hübsch und so zart und fein. Aber Wassermangel, und sei er noch so kurzzeitig, bringt sie total aus dem Gleichgewicht und in echte Existenznot.“

„Dann muss sie halt an sich arbeiten und Vorräte anlegen“ tönt es hinter der Terrasse hervor. „Boah, ey, der Lavendel“ motzt der Sommerflieder vor sich hin. Er ist ein bisschen stinkig, was den Lavendel angeht, weil der besser riecht als er. „Pass auf, dass man dich nicht für arrogant hält, lieber Lavendel, ich weiß nämlich, dass du’s nicht bist“ sage ich. „Du blühst regelrecht auf, wenn es warm und trocken ist. Ihr seid alle auf eure Art und Weise hübsch und habt dennoch unterschiedliche Bedürfnisse. Wenn ich dich behandeln würde wie die Astilbe, würdest du kaputt gehen, weil dir das zu viel Wasser ist, geschweige denn, dass dir Schatten guttut.“ „Wir stehen halt auf der Sonnenseite des Gartens, hab’s ja verstanden.“ Der Lavendel ist eigentlich ein unkomplizierter Kerl, nur manchmal gedankenlos. Wer so von der Sonne des Lebens verwöhnt ist, der vergisst, dass es auch andere Pflanzen gibt, die im Schatten leben.

Ich gehe zur Weide um die Ecke des Hauses, wo nur morgens Sonne hinkommt. Hier sitzen neben der vorlauten Minze auch die Funkien. Allerdings sehe ich von denen noch gar nichts. Ich puhle vorsichtig in der Erde und tatsächlich: ein kleiner hellgrüner spitzer Dorn ist da zu finden. Ein Gähnen ist zu hören „Och Mann ey, nur noch fünf Wochen.“ Ich decke den Dorn vorsichtig wieder zu. Aber an einer anderen Stelle ist eine andere Funkie etwas wacher und schaut schon raus. „Lass mich in Ruhe mit den Blattläusen, das ist mir und den Kollegen hier im Beet egal. Bis zum Sommer dauert‘s noch ein Weilchen, bis dahin habt ihr das im Griff. Außerdem machen uns Blattläuse nix aus, nur halt uns diese schleimigen Schnecken vom Blatt.“ So schattig es hier ist, hier ist die Gartenwelt noch in Ordnung. Ich überlege, ob ich der Funkie sagen soll, dass es keine Blattläuse sind, die uns beschäftigen, sondern Corona und sie damit eh nichts zu tun hat. Aber sie pennt schon wieder, wie ein leises Schnarchen hören lässt.

Ich gehe zurück in die Sonne. „Tja, und nun?“ Ich stehe unentschlossen auf dem Rasen.

„Was würdest du denn machen, wenn wir hier diese Super-Blattlaus hätten?“ fragt der kleine grüne Buchs.

„Naja, wenn ich weiß, dass es sie gibt…“  steige ich in das Gedankenexperiment ein und überlege. „Ich schau regelmäßig nach, ob ihr gesund seid. Wenn nicht: Spiritus hab ich noch, der hilft vielleicht, bis es den verbesserten Super-Blattlaus-Spiritus gibt oder was ganz anderes…“

„Was könnte denn passieren, wenn wir die Super-Blattlaus im Garten haben?“

„Am schlimmsten wär’s, wenn ihr es alle gleichzeitig bekommt, denn ich kann mich nicht um alle gleichzeitig kümmern. Ich würde keine neuen Pflanzen bringen, die vielleicht die Super-Blattlaus haben. Ihr könntet dazu beitragen, indem ihr auch bei Wind versucht, nicht eure Ästchen und Blätter aneinander zu reiben.“ Ich denke nach. „Einige von euch gehen eh bald in die Sommerpause wie die Narzissen. Die Funkien verschlafen die unsicheren Zeiten erst mal, außerdem sind sie eh nicht anfällig für Blattläuse.“

Der Buchs hat sich aus seinem emotionalen Zünsler-Loch wieder berappelt, seine Stimme ist voller Elan: „Wenn du mich fragst, werden wir am Ende dieses imaginären Super-Blattlaus-Jahres doch die meisten über den Berg bekommen haben. Vielleicht nicht alle und das ist sicher traurig, aber andere wachsen umso besser, weil es den aufdringlichen Pflanzennachbarn nicht mehr gibt. Es wäre nicht die erste große Veränderung, die wir hier im Garten haben und insgesamt ist es immer schöner geworden.“  „Klar ist es immer besser geworden,“ sage ich, „dafür hab ich auch einiges getan habe. Die letzten trockenen Sommer habe ich so viel gegossen wie nie. Düngen muss ich auch immer ganz viel, ohne geht’s halt nicht. Nebenbei kostet das auch Geld und Arbeit.“

„Willst du dafür gelobt werden?“ hängt sich Fünffingerstrauch wieder ins Gespräch. „Als du mich letztes Jahr umgesetzt hattest, hatte ich echt Mühe. Ich musste neue Wurzeln bilden und hab mehr Wasser gebraucht als sonst. Ohne dich hätte ich das nicht geschafft. Aber ich wäre auch gar nicht erst in dieser Situation gewesen. Da kann ich ja wohl ein bisschen mehr Pflege verlangen.“ Ich bin überrascht über den angesäuerten Tonfall des Fünffingerstrauchs. Ich hatte nur sein Bestes gewollt. An seinem vorherigen Platz hatte er keine Möglichkeit, sich zu entfalten. Wenn ich ehrlich bin eine Folge einer früher getroffenen Fehlentscheidung. Der Nachbar hatte mir gesagt, ich soll die Büsche nicht so eng setzen. „Geht’s dir denn jetzt nicht besser? Von allein hättest du die Entscheidung nicht treffen können im Gegensatz zur Minze, die immer auf der Suche ist nach einem besseren Standort ist.“

„Streitet euch nicht" sagt der Buchs. Er wendet sich an den Fünffingerstrauch. „Du siehst das von deiner Warte aus und die ist wie unser aller Warte nur begrenzt. Aber die Gärtnerin kommt überall rum und sieht auch Dinge hinter dem Gartenzaun. Gib‘s zu, du hättest von Spiritus und Seife und seiner Wirkung auf Blattläuse keine Ahnung. Aber sie weiß es und deshalb verlassen wir uns drauf, dass sie das richtige tut. Wir können ihr ja zeigen, wenn es uns nicht gut geht. Die Astilbe, die die Blätter hängen lasst, wenn sie zu wenig Wasser bekommt. Die Harlekinweide, wenn ihre Blätter mehr grün als weiß gefleckt sind, weil sie wenig Sonne bekommt. Das Pfirsichbäumchen, dessen Blätter sich rollen, wenn es krank ist.“

Ich mag den Buchs immer mehr. Eigentlich hatte ich ihn nur übergangsweise, weil meine Schwiegermutter keinen Platz für ihn hatte, als die Terrasse neu gefliest wurde. Aber er hat sich so gut eingelebt und sein Topf wurde ihm zu klein, so dass ich ihm einen festen Platz im Garten gegeben habe.

Er spricht weiter. „Sie hat auch frühzeitig erkannt, dass es besser ist, dich woanders hinzusetzen. Bei der nächsten Dürreperiode hätten dir die anderen an deinem früheren Standort das Wasser streitig gemacht. So hast du es doch viel schöner.“ Der Fünffingerstrauch schweigt betreten. So wie alle anderen auch. „Alles in allem ist es immer gut gelaufen. Wir hatten auch schon schwere Zeiten: trockene Sommer, Blattläuse und das Jahr, als dieser aufdringliche Giersch überhandnahm. Aber schau uns an: wir sind fast alle gut gediehen und mit der Zeit größer und schöner geworden. Der Berglauch war mal eine Pflanze und jetzt sind sie zu sechst. Die Bergaster hat Kinder in Nauheim und wie viele Auswanderer aus anderen Gärten haben wir aufgenommen, mich eingeschlossen. Am Ende wird ja doch alles gut und…“

Ich unterbreche ihn rüde. „Bitte! Du wirst jetzt nicht den Spruch mit dem ‚noch nicht zu Ende‘ bringen!“ Der Buchs schweigt, war ich zu heftig?

Etwas ruhiger sage ich: „Fehlt nur noch der Spruch mit der ‚Chance in der Krise‘…“

„Du hörst dich resigniert hat, meine Liebe, und wir fragen uns, weshalb.“ Wow! Die Harlekinweide, eine der ersten Pflanzen im Garten, lässt sich hören. Trotz des albernen Namens ist sie eine ernste Persönlichkeit, die mit dem Alter eindeutig an Reife gewonnen hat. Sie ist einfach da, ruhig, gelassen und robust, und hat schon viele Kollegen kommen und gehen sehen.

„Wem ‚Krise als Chance‘ Hoffnung schenkt, dem ist geholfen.“ Das kommt von der anderen Seite des Gartens, wo ein Ableger der Weide steht. Ich dachte schon, sie spricht im pluralis majestatis von sich. „Es ist einfach, auf einem brachliegenden Acker zu säen und zu pflanzen“ lässt sich ein weiterer Ableger hören. Offenbar habe ich die Weide zu einer Hybride aus Sartre und der Beckham-Familie gemacht. „Alles auf dem leeren Acker wird schön aussehen, wenn du es hegst und pflegst und aller Augen ruhen darauf. Setze die gleichen Pflanzen in den Schlosspark Sanssouci und nur der Kenner des Gartens wird die Veränderung merken.“

Nach diesen Worten der heimlichen Chefin des Gartens sagt keiner mehr etwas und ich stelle fest, dass ich gefunden habe, was ich suchte, als ich in den Garten ging: Trost.

Auf dem Weg zurück ins Haus vibriert mein Handy. Meine Facebook-Timeline sagt mir, dass eine Psychiaterin sagt, wir sollten uns nicht sorgen, wenn wir mit den Haushaltsgeräten sprechen; sorgen müsse man sich, wenn sie antworteten. Ich stelle erleichtert fest, dass mich das nicht betrifft, denn ich spreche nicht mit Haushaltsgeräten. Welch ein Glück! 

Krank zur Arbeit

19 04 09 Ruhe

Krankheit – ab nach Hause

Krankheit – ein Sprichwort sagt: „Go hard or go home”. Denn viele Freiberufler und Inhaber kleiner Firmen können sich keinen Ausfall leisten. So gehen sie dann hustend und schniefend zum Kunden. Und sie nehmen mit krächzender Stimme aus dem Bett heraus Telefonate an, damit bloß niemand merkt, dass sie flachliegen.

Kunden betrachten Ihr Engagement als Rücksichtslosigkeit

So tapfer sich dieses Verhalten auch anhören mag – wer hör- und sichtbar stark erkältet ist, kann andere anstecken. Was nützt die kreativste Projektsitzung, wenn sich zwei Tage später alle Teilnehmer krankmelden? Dieses Phänomen wird man Ihnen zuschreiben, und zwar keineswegs dankbar. Denn Sie richten nachhaltigen Schaden an, indem Sie das wunderbare Projekt komplett lahmlegen. Und die Beteiligten dazu.

Krächz-Telefonate wirken abschreckend

Stellen wir uns vor, Sie seien ernsthaft krank. Wenn drei Wochen lang nur der Anrufbeantworter angeht, haben Sie als Ein-Mensch-Betrieb oder Kleinstfirma ein Problem mit der Außenwirkung. Nehmen Sie Ihre Anrufe selbst an hört, der Gesprächspartner nur Hustensalven und eine gespenstische Gruftstimme. Ob dadurch Vertrauen in Ihre Leistungsfähigkeit geweckt wird?

Wenn das Geschäftsleben trotz Krankheit normal weiterläuft

Sie können sich für diesen Fall der Fälle wappnen. Auch kurzfristig als Krankheitsvertretung springen wir für Sie ein und sind Ihre klare Telefon-Stimme nach außen. Freundlich teilen wir Anrufern zum Beispiel mit, dass Sie gerade eine Weiterbildung absolvieren und am besten per Mail erreichbar sind. Ihre vorhandenen Termine sagen wir so ab, dass Ihre Kunden Verständnis haben.

Werden Sie erst mal gesund – wir kümmern uns um den Rest

Sofern Sie für eine Zeit komplett ausgeschaltet sind, können wir sogar Ihre Mails überwachen und sofort auf Anfragen reagieren. Mit dem Wissen, dass nach außen alles erst mal weiterläuft, können Sie sich in Ruhe auf Ihre Genesung konzentrieren. Denn das ist wichtiger als jeder Geschäftstermin. Das englische Sprichwort muss eigentlich umgetextet werden in „Be fair and go home“.

Kunden vergraulen

19 04 09 Ruhe

Kunden am Telefon vergraulen – so geht es

Kunden – wenn Sie keine haben wollen, befolgen Sie unsere Telefon-Tipps. Wir versprechen Ihnen: Niemand wird sie mehr anrufen! Oder Sie tun das Gegenteil …

Auf einen Blick:

  • Wählen Sie einen abschreckenden Tonfall
  • Lassen Sie sich anmerken, wie lästig Ihnen das Telefonat ist
  • Stellen Sie Anrufe schnellstmöglich in die Warteschleife und lassen Sie den Gesprächs-Interessenten dort schmoren
  • Unterbrechen Sie den Anrufer, wenn er sein Anliegen nennt und fordern Sie ihn auf, sich später noch mal zu melden
  • Bieten Sie Rückrufe an, die niemals erfolgen
  • Sprechen Sie den Anrufer immer wieder mit falschem Namen an

 

Anrufe nerven und halten Sie von Wichtigem ab wie zum Beispiel der Mittagspause. Oder jemand möchte unbedingt mit Ihnen sprechen, während Sie gerade in eine Arbeit vertieft sind. Damit Sie dauerhaft Ihre Ruhe vor solchen lästigen Unterbrechungen haben, müssen Sie nur ein paar Tipps konsequent umsetzen.

Tipp Nr. 1: Wählen Sie einen unfreundlichen Tonfall

Unabhängig davon, ob Sie mit vorhandenen Kunden oder Neuinteressenten sprechen: Ein schnarrender, kalter oder zickiger Tonfall sollte für Sie ab sofort ein Muss sein. Dann merkt der andere gleich, dass er nervt. Schon nach kurzer Zeit reduzieren sich Ihre Telefongespräche auf das Nötigste oder erfolgen gar nicht mehr.

Tipp Nr. 2: Jagen Sie Anrufer in die Warteschleife

Was gibt es Schöneres, als bei einer Anfrage erst mal in die Warteschleife geschickt zu werden? Diese sollte den Lauschenden mit möglichst anstrengendem Gedudel unterhalten. Geeignet sind zum Beispiel einfache Pfeifton-Abfolgen wie bei einem Kinder-Blockflötenkonzert. Ansagen, wie lang die voraussichtliche Wartezeit sein wird, sind überflüssig. Lassen Sie ihn so lange schmoren, bis er aufgibt.

Tipp Nr. 3: Wimmeln Sie den Gesprächsinteressenten sofort ab

Sehr gut ist es auch, einen Anrufer mitten im ersten oder zweiten Satz zu unterbrechen. Sagen Sie etwas wie: „Das ist ja gut und schön, ich habe aber gerade keine Zeit für Sie. Versuchen Sie es später noch einmal.“ Dann legen Sie schnell auf, bevor Ihr Gesprächspartner darauf reagieren kann. Sonst fragt er womöglich noch nach einem Telefontermin! Und das wollen Sie ja auf jeden Fall vermeiden.

Tipp Nr. 4: Zeigen Sie sich vergesslich, was den Namen des Anrufers betrifft

Jeder Mensch ärgert sich, wenn er dauernd falsch angesprochen oder nach kurzer Zeit immer wieder nach seinem Namen gefragt wird. Dieses Phänomen sollten Sie sich zu Nutze machen. Wandeln Sie den richtigen Namen immer wieder ab. Oder Sie fragen bei jedem zweiten Satz „Äh, wie war noch mal Ihr Name?“ Auch akademische Titel lassen Sie auf jeden Fall weg, sonst bildet sich der andere zu viel darauf ein.

Tipp Nr. 5: Rufen Sie auf keinen Fall zurück

Das Angebot eines Rückrufs gilt gemeinhin als höflich, wenn Sie gerade keine Zeit für ein Telefonat haben oder der gewünschte Ansprechpartner unterwegs ist. Klar sollte dabei sein, dass Sie niemals zurückrufen. Und die Rückrufbitte an den Kollegen notieren Sie gar nicht erst. Wer etwas will, soll noch einmal anrufen!

Wenn Sie es anders machen möchten, ist das VBO-Team gern für Sie da!

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